Waldstadtchor am Kaiserstuhl

Der Waldstadtchor genießt den Kaiserstuhl !

Der diesjährige Chorausflug führte die WaldstadtsängerInnen mit ihren drei Grazien Kathrin Denner, Sabine Herr und Renate Schnatzer bei herrlichem Spätsommer-wetter zum Kaiserstuhl.

Erstes Ziel war Endingen mit seinem traditionsreichen Stadtkern, an dem man hier heimatverbunden intensiv festhält. Ursprünglich alemannisch (ab 862), nach 1379 mehr als 425 Jahre unter habsburgisch/vorderösterreichischer Herrschaft, seit 1805 badisch.

Etliche Besonderheiten der Stadtführung sollen erwähnt werden:

  1. a) Am 27.05.1615 passierte das „Tränenwunder“ der „Weinenden Muttergottes“ in der Kirche St. Martin, wodurch diese bis heute Wallfahrtskirche wurde. Ein moder-nes Wunder geschah in der Kirche, als man in der Nazi-Endzeit 1943ff  trickreich die befohlene Einschmelzung der Kirchenglocken verhindern konnte!
  2. b) 1751 fand hier die letzte Hexenverbrennung statt, obwohl so etwas schon damals verboten Opfer dieser brutalen Gesetzes-Ignoranz in Endingen war eine Witwe mit sechs Kindern, die nochmals heiratete (das galt als besondere Unzucht !!!)
  3. c) Endingen hatte jahrhundertelang auch einen eigenen Scharfrichter (Henker); der letzte beendete seine Tätigkeit 1949 (mit Ende der französischen Besatzung) !!
  4. d) Am 5. und 6.12.1842 unterschrieben mehr als 40 Männer einen Siedlervertrag mit Venezuela, um dorthin, in die Colonia Tovar, auszuwandern. Bis heute gibt es gegenseitige Besuche zwischen dem Kaiserstuhl und Südamerika.
  5. e) Die Stadt hat eine bemerkenswerte Brunnen-Kultur: Aus dem einen der sechs achteckigen und einem ovalen Brunnen holt man in der Christnacht Weihwasser („Heiliwog-Holen„), aus dem Rathausbrunnen steigt an Fasnacht der „Jokili“ der Narrenzunft.

Am Ende unserer Stadtführung sangen wir, dirigiert von unserer engagierten Chorlei-terin Kathrin, drei schmissige Lieder in der „Prachtkirche“ St. Peter.

Zweites Ziel unseres Ausflugs war Burkheim: zuerst wurde unser Magen im Res-taurant „Kreuz-Post“ wohl gefüllt, dann unser Geist mit vielen Informationen und kräuterigen Beispielen im Burkheimer Kräuterhof, z B. mit  „Brustwickel-“ oder Stimmschmeichlertee“ für junge Senioren; aber auch den berüchtigten „Beduinen-schreck-Tee“ lernten wir kennen.

Drittes Ziel hieß Breisach am Rhein, wo wir auf eigene Faust Unter- und/oder Oberstadt mit und ohne köstlichem Eis-Beistand erkundeten. Die Unterstadt lud zu einem Stadtbummel oder einem Hafenrundgang ein. Alles überragend auf dem Vul-kanberg die Oberstadt (ursprünglich keltisch) mit dem Münster St. Stephan (ent-standen 12. – 15. Jh., romanisch und gotisch), reich an Kunstschätzen: einzigartige Wandmalereien Martin Schongauers (1491), umwerfende Holzschnitzereien des Hauptaltars durch den unbekannten Meister „HL“ (1526), der Sandstein-lettner (1490), der Silberschrein von 1496 mit den Reliquien der beiden Stadtpatrone Gervasius  und Protasius, das Sakramentshaus (1520), die derbe Bildersprache des spätgotischen Chorgestühls; in ihm mussten die Mönche stundenlang im Gebet stehen, wenn sie aber die Sitzklappe nützen wollten, sollen sie dem Nachbarmönch zugeflüstert haben: „Halt die Klappe“ !!!

Übrigens: Im Jahr 369, vor 1649 Jahren, wurde Breisach (keltisch Brisin-ac = Wasserbrecher –> römisch Brisiacum) erstmals urkundlich erwähnt, als der römische Kaiser Valentinian hierher kam. Bis heute ist dies in Baden-Württemberg der einzige Besuch eines römischen Kaisers geblieben!

Nach so vielen geistigen und körperlichen Genüssen traten wir mit dem Bus die Heimreise an. Ganz herzlichen Dank, Frau Schnatzer, für die Organisation dieses schönen Chorausflugs zum Kaiserstuhl.

 

Georg Gerneth