Auftritt im Bahnhof zu Gunsten der Bahnhofsmissiom

Engel singen Jubellieder in der Bahnhofshalle

Good news – der Waldstadtchor war unterwegs in der Vorweihnachtszeit. Die 60 Sängerinnen und Sänger sind vielleicht nicht alle Engel, aber mit ihren Stimmen lobten sie kräftig den Herrn der Welt, ließen die Himmel erzählen und brachten Wünsche zur Weihnachtszeit.

Dieses 45-Minuten-Konzert fand nicht im geheizten Probesaal statt, nicht Vor langer Zeit oder Auf Bethlehems Fluren, sondern in der kalten zugigen Eingangshalle des Hauptbahnhofs Karlsruhe; wir sangen zu Ehren der Bahnhofsmission Karlsruhe.

Diese weithin unbemerkten Helferinnen und Helfer in ihren hellblauen Jacken mit dem Emblem arbeiten ehrenamtlich jahraus jahrein, bei Kälte und Hitze, sind helfen-de Engel für Reisende und andere Bahnhofsgäste, die ihre Hilfe brauchen, die damit „Jederzeit willkommen“ sind; sie sind „verlässlicher Anlaufpunkt für alle Menschen in Notsituationen. Ohne Termin, ohne Wartezeiten – auch anonym.“ – so der Flyer der Organisation. Die zwei festen und 22 ehrenamtlichen geschulten MitarbeiterInnen betreuen im Durchschnitt 30-50 Menschen täglich, sie bieten

  • „Hilfen beim Reisen für ältere und geschwächte Menschen, alleine reisenden Kindern, Aufenthalts- und Ruhemöglichkeiten sowie Notfall-Liege, Rollstuhl, Wickeltisch
  • Informationen über bestehende Hilfsangebote und örtliche soziale Dienste“
  • Wärme und eine Tasse Kaffee für Vorbeikommende, gerne für Obdachlose; manchmal gibt es auch Essbares von einer Bäckerei
  • „vertrauliche Gespräche und Erstberatung
  • Hilfe und Vermittlung in Notlagen und Krisen“ (Flyer).
  • wenn nötig Mithilfe bei der Arbeit der Flüchtlingshilfe (gerade 2015).

Ihr Kinderlein kommet – die Bahnhofsmission „hilft auch alleine reisenden Kindern, damit sie sicher umsteigen können, oder nimmt sie in Obhut, bis sie abgeholt wer-den“ – gerade am Wochenende von Mama oder Papa. Kids on Tour bringt Kinder auf der ICE-Strecke Frankfurt/Basel sicher ans Ziel, so wie einst Das kleine Jesuskind Sicherheit und Schutz gebraucht hat.

Träger der Bahnhofsmission ist der Verein „IN VIA, Katholischer Verband für Mäd-chen und Frauensozialarbeit in der Erzdiözese Freiburg“, finanziell bedacht von der Kirchensteuer, braucht aber wegen der vielfältigen und umfassenden Hilfsangebote jede Menge Spenden. „Jedes Jahr geraten mehr Menschen in Not, deshalb wird un-sere Hilfe verstärkt nachgefragt. Aber unsere finanziellen Mittel nehmen ab.“ (Flyer) We are not afraid today! Deswegen sang der Waldstadtchor für sie, um Spenden zu akquirieren. Wir finden die hellblauen Engel in der Halle, auf den Bahnsteigen oder auf dem Weg zu Gleis 101 in ihrem Aufenthaltsraum, werktags 8-19 Uhr, am Sams-tag vormittags (8-14), am Sonntag nachmittags (13-19) – leise, fast unbemerkt, aber immer präsent für nächstenliebes Miteinander: Friedensbringer unsrer Zeit! Danke!

Ihnen zu Ehren also sangen wir Luleise 18 Weihnachtslieder und mussten uns ge-gen durchdringende Lautsprecherdurchsagen, rollende Koffer, hektische Reisende, schlendernde Ess-Kunden und die sonstige normale Geräuschkulisse im Abendtru-bel einer Bahnhofshalle stimmlich behaupten. Zumindest eine Ahnung sollten unse-re zufälligen Zuhörer bekommen, dass Süßer die Glocken nie klingen. Viele Vor-beihastende blieben verwundert stehen, sondierten die ungewöhnliche Lage und lie-ßen sich kurz oder lang auf diese befremdliche Szenerie mit live aus vielen Kehlen gesungenen Weihnachtsliedern im Bahnhof ein, summten oder sangen leise mit, bis ein Blick auf die Uhr die Fortsetzung ihrer eigentlichen Abendplanung anmahnte. Und Es ist ein Ros entsprungen im Blumenladen hinter uns.

Oh du fröhliche, oh du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit – wenn wir in diesen vor-festlichen Zeiten der Arbeitsbelastung, Hektik und intensiven Betreuung den Mitarbeitern der Bahnhofsmission, diesen tatkräftigen Helfern und Seelentrös-tern, etwas geholfen und den zufälligen Zuhörern etwas Freude gebracht haben, dann gehen wir äußerlich fröstelnd, aber innerlich aufgewärmt und zufrieden von diesem etwas anderen Chorkonzert nach Hause. Es hat uns Freude gemacht und wir zollen großen Respekt unseren Bahnhofshelfern, für die wir viele Spenden bekamen. Für sie und für uns alle soll die Weihnachtsbotschaft lauten: We shall live in peace!

Georg Gerneth